Kultur

 

Die Einwohner von St. Petersburg bezeichnen ihre Stadt gerne selbst als Kulturhauptstadt. Auch ohne diesen offiziellen Titel kann die Stadt gut mit anderen Großstädten dieser Welt mithalten. Die Vielfalt an Museen und Sammlungen, die Theater und Opern und das architektonische prachtvolle Stadtbild machen die Stadt zu einem wichtigen Kulturzentrum.

 

Architektur

Um das ehemalige Sumpfgebiet zu verschönern, holte der Zar Peter der Große viele Architekten und Baumeister aus Europa nach St. Petersburg, um die Stadt von Beginn an pracht- und prunkvoll erscheinen zu lassen. Viele Villen und Stadtschlösser der zum Umzug nach St. Petersburg genötigten Adeligen schimmern noch heute in den Straßen der Stadt.

 

Ballett

Das russische Ballett ist weltberühmt, der vollendete Anmut hat einige Balletttänzer der Geschichte auch auf internationaler Bühne ihre Erfolge feiern lassen: Michail Baryschnikow, Rudolf Nurejew, Mathilde-Maria Kschessinskaja und Rudolf Nurejew. Noch heute sind die russischen Tänzer unübertroffen, ihren Ruf verdanken sie fantastischen Ensembles und großen Choreographen, den Einfluss tragen sie bis in die westlichen Länder.Im Marinski- und im Mussorgski-Theater kann man für annehmbare Preise feinstes russisches Ballett und Opern bewundern.

 

 

Museen

In der Stadt findet man über 100 verschiedene Museen, unter anderem diese:

 

Aurora

Aurora ist ein 1900 gebauter Panzerkreuzer, der seit seiner Fertigstellung viele historische Momente miterlebte. Sie wurde im Russisch-Japanischen Krieg 1904 eingesetzt, schütze die Stadt 1917 vor Invasion der Aufständischen, von Ihr erklärte Lenin den Sieg der Proletarier . Im zweiten Weltkrieg wurde sie zum Schutz der Stadt eingesetzt und diente anschließend als Schulschiff. Seit 1956 ist die ein Museumsschiff.

 

Eremitage Museum

Dieses Museum ist eines der ältesten und gleichzeitig das größte Museum der Welt. Es befindet sich nicht in einem einzigen Gebäude, sondern ist aufgeteilt auf fünf Paläste. Hier finden sich weit über drei Millionen Exponate, 2500 Gemäldesammlungen der berühmtesten Künstler wie Leonardo da Vinci, van Gogh und Picasso. Die Geschichte des russischen Zarengeschlechts wird anhand von Gebrauchsgegenständen greifbar gemacht, man kann über 90000 Münzen und Medaillen bestaunen. Wer sich diese Kunstgegenstände zu Gemüte führen möchte, sollte auf jeden Fall mehr als nur einen Tag einplanen.

 

 

Geschichte

 

Gründung der Stadt

Schon im 10. Jahrhundert lebten auf dem Gebiet des späteren St. Petersburg Menschen, die hauptsächlich von der Landwirtschaft lebten. In den folgenden Jahrhunderten stritten sich Schweden und Russen um diese Gegend, Anfang des 14. Jahrhunderts wurde sie als Grenzmark von beiden Ländern anerkannt. Das Mündungsgebiet der Newa wurde bald als Landungs- und Handelsplatz genutzt, dies hauptsächlich von schwedischer Seite, sodass hier auch bald eine Siedlung und eine Festung entstanden. Diese wurden Mitte des 17. Jahrhunderts von der russischen Armee zerstört, die Gegend ging anschließend vollständig in russische Hand über. Nach zwei Kriegen wurde 1703 der Grundstein zur heutigen Stadt St. Petersburg gelegt - der Name führt auf den Zar Peter den Großen zurück.

 

Eigentlich war das Gebiet ungeeignet für eine Stadtgründung, Überschwemmungen suchten die Burg und die Siedlung oft heim, auch in späteren Jahren sollten noch viele Menschen ihr Leben durch das übertretende Wasser lassen. Es konnte hier aber ein Seehafen entstehen, der eine direkte Verbindung zu den innerrussischen Flüssen hatte, was außer der Nähe zu Westeuropa ein Plus für die Stadtgründung war. Peter der Große war so vernarrt in die Idee der modernen und großen Stadt, dass er über den Zeitraum der Erbauung der Stadt alle Steinmetze des Landes nach St. Petersburg holte, jeglichen Bau steinerner Gebäude im Land verbot, und das Widersetzen seines Befehls unter Todesstrafe setze. Viele zehntausend Arbeiter starben während der Bauarbeiten, man sagt bis heute, die Stadt sei auf Skeletten errichtet worden.

 

Hauptstadt und Blütezeit

Der russische Adel wurde verpflichtet, gegen seinen Willen mit Hab und Gut in die Stadt zu ziehen, ihre Grundstücke nachts zu beleuchten und Bäume zu pflanzen. Jeder Bewohner der Stadt sollte jährlich entweder eine hohe Summe Geld bezahlen, oder 100 Steine abgeben. Diese Maßnahme ist dadurch zu erklären, dass Materialien zum Weiterausbau der Stadt in der Flussmündung mit dem angrenzenden Sumpfgebiet schwer oder gar nicht zu finden waren. 1710 wurde Moskau der Hauptstadttitel aberkannt, und St. Petersburg zugeschrieben - die Stadt behielt ihn bis 1918. Als der Stadtpatron Peter der Große starb, zeigte die russische Monarchie kein großes Interesse mehr für St. Petersburg, was sich erst unter Zarin Anne änderte. Hauptstraßen wurden unter ihrer Herrschaft ausgebaut, Prunkbauten errichtet, das gesamte Stadtzentrum auf die andere Flussseite verlegt. Zarin Katharina die Große wurde 1762 russische Herrscherin. Ihrer Liebe zu Kunst und Kultur, zu Bildung und Weltöffnung waren ausschlaggebend für die Gründung von über 20 Akademien, der berühmte Katharinenpalast, der Winterpalast und das Reiterstandbild von Peter dem Großen wurden in ihrer Regierungszeit gebaut. Die Hoch-Zeit der russischen Monarchie endete mit diversen kleinen und großen Aufständen, einige Attentate gegen hohe Regierungsvertreter fanden statt, so fand auch Zar Alexander II. durch einen Sprengstoffanschlag seinen Tod. Lenin, Kopf der Oktoberrevolution und Begründer der späteren Sowjetunion, machte Moskau wieder zur Hauptstadt. Infolge dessen sank die Bevölkerungszahl St. Petersburgs rapide ab, viele Menschen zogen fort, allerdings brachten der Bürgerkrieg und die folgende Hungersnot den Tod für viele Bewohner der Stadt. St. Petersburg wurde nach dem Tod Lenins zu dessen Ehren in Leningrad umbenannt.

 

Der zweite Weltkrieg und Nachkiegszeit

Fast drei Jahre lang wurde Leningrad von der deutschen Armee belagert, die Stadt sollte nicht erobert oder der dem deutschen Machtbereich angegliedert werden, sondern komplett von möglichen Versorgungswegen abgeschnitten werden. Mehr als eine Million Bürger Leningrads starben während dieser Zeit, St. Petersburg/Leningrad sollte dem Erdboden gleich gemacht werden. Das Gebiet sollte für eine neue deutsche Großsiedlung erschlossen werden, weshalb alle Bewohner getötet werden sollten. Die Menschen erlebten eine außergewöhnliche und furchtbare Zeit während eines besonders eisigen Winters, viele von ihnen fielen einfach entkräftet auf den Straßen um. In der Nachkriegszeit wurde Leningrad zu einem Sinnbild für das russische Leiden während der deutschen Belagerung und des gesamten Krieges. Noch immer herrschte eine Konkurrenzstimmung zwischen Moskau und Leningrad, welches allmählich und kontinuierlich zu einer Industriestadt heranwuchs. 1991 wurde nach einem Volksentscheid wieder der alte Name St Petersburg genutzt.